Monatsimpuls November 2021:Frömmigkeit

Frömmigkeit
Frömmigkeit
Datum:
3. Nov. 2021

Einführung

fromm, frömmer, am frömmsten

Das Wort „Frömmigkeit“ ist aus unserem Sprachgebrauch größtenteils verschwunden und wird in religiösen Kontexten oft sogar vermieden. Ein altmodisches Wort, mit welchem die eine oder der andere vielleicht das Bild der „frommen Helene“ von Wilhelm Busch verbindet. Diese bei Busch karikierte Frömmigkeit ist sicherlich nicht das, was wir als Christen unter der Gabe der Frömmig­keit verstehen.

Vielmehr lesen wir im Brief des Paulus an die Römer: „Denn alle, die sich vom Geist Gottes leiten lassen, sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!“ (Röm 8,14-15)

Und von Papst Franziskus hören wir: „Wenn die Gabe der Frömmigkeit uns in der Beziehung und in der Gemeinschaft mit Gott wachsen und uns als seine Kinder leben lässt, so hilft sie uns gleich­zeitig, diese Liebe auch den anderen zuzuwenden und sie als Brüder zu erkennen. Dann sind wir wirklich bewegt von Frömmigkeit – nicht von Frömmelei! – gegenüber unseren Mitmenschen und jenen, denen wir täglich begegnen. Warum sage ich: »nicht von Frömmelei«? Weil einige meinen, Frömmigkeit bedeute, die Augen zu schließen, ein Gesicht aufzusetzen wie auf einem Heiligenbild, so zu tun als sei man wie ein Heiliger. Auf Piemontesisch sagen wir: »fare la mugna quacia« [sich scheinheilig geben]. Das ist nicht die Gabe der Frömmigkeit.“ (Generalaudienz vom 4. Juni 2014)

Frömmigkeit bewegt, berührt das Herz und bedeutet eine echte innere Vertrautheit in Gott und mit ihm. Es entsteht eine tief im Glauben verwurzelte Haltung, die in guten und schwierigen Situationen durchs Leben trägt. Eine Haltung, die sich auch auf andere auswirkt.

Die Heiligen der Katholischen Kirche, derer wir im Monat November besonders gedenken, zeigen uns, wie vielfältig diese tiefe innere Gottverbundenheit sein kann und dass die Geistesgaben eben nicht nur ein einmaliges Geschenk sind, sondern für jede und jeden eine lebenslange Aufgabe bleiben.

Gebet

Gott, Heiliger Geist,

schenke uns Vertrauen in Dich.

Lass uns in der Gemeinschaft mit Dir wachsen,

damit unser Leben und Glauben eins werden.

Damit wir bewegt werden von der Frömmigkeit 

um Beziehung anzubieten

und unsere Mitmenschen zu lieben.

Amen.

Bibelstelle

Evangelium nach Matthäus Kapitel 5, Verse 3-16 

Die Seligpreisungen; Vom Salz der Erde und vom Licht der Welt

1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:

3 Selig, die arm sind vor Gott; / denn ihnen gehört das Himmelreich.

4 Selig die Trauernden; / denn sie werden getröstet werden.

5 Selig die Sanftmütigen; / denn sie werden das Land erben.

6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; / denn sie werden gesättigt werden.

7 Selig die Barmherzigen; / denn sie werden Erbarmen finden.

8 Selig, die rein sind im Herzen; / denn sie werden Gott schauen.

9 Selig, die Frieden stiften; / denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.

10 Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; / denn ihnen gehört das Himmelreich.

11 Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. 12 Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt.

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. 15 Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. 16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.

weitere Bibelstellen

Mt 6, 5-15 Vom Beten – das Vater Unser

Mk 12,41-44 Die vorbildliche Witwe

Lk 22, 39-46 Das Gebet (Jesu) in Getsemani

Apg 15, 6-21 Die Versammlung der Apostel

Fürbitten

Herr Jesus Christus, wir bitten dich um den Geist der Frömmigkeit.

Aus tiefer Verbundenheit beten wir: 

Für alle Frauen und Männer, die in Gruppen und Gremien in unserer Kirche ihre Talente und Fähigkeiten einbringen. Gib ihnen Freude, Mut und Weitsicht in ihrem Tun.

Für alle, die die Not anderer sehen und handeln; besonders für Helfer und Betroffene in den Flutregionen. Gib ihnen Ausdauer, Kraft und Zuversicht.

Für alle, die das Vertrauen in dich verloren haben. Schenke ihnen Wegbegleiter.

Für alle, die in Kirche und Gesellschaft Verantwortung übernehmen, dass sie Innovation und Tradition miteinander verbinden. 

Für alle Verstorbenen aus unseren Familien, Freundeskreisen, Nachbarschaften. Gib ihnen ewiges Leben bei dir.

Lieder

GL 414 Herr, unser Herr, wie bist du zugegen

GL 742 Jetzt ist die Zeit

GL 782 Geborgen in dir, Gott

Zitat

Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.

© Frère Roger Schutz

Ihre / Eure geistliche Begleitung im „Heute bei dir“-Prozess