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Für Naturmenschen

Nachhaltigkeit

 

 

Vorläufiger Beschluss des Synodalkreises im Rahmen des synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozess „Heute bei dir“

Schöpfungsspiritualität und -verantwortung als Grundhaltung des Bistums Aachen

Die Kirche im Bistum Aachen steht für eine Kirche der Schöpfungsspiritualität und -verantwortung. In der Herausforderung sozialer und klimabedingter Krisen und Katastrophen, vor Ort und weltweit, menschengemacht durch übermäßig konsumorientierte Wirtschaftsformen und Lebensstile, sehen wir die Chance und Notwendigkeit einer inneren und äußeren Umkehr zur Nachhaltigkeit. Die spirituelle Kernkompetenz der Kirche trägt zu einem Bewusstseins- und Kulturwandel bei, der die Menschen für ihre Bezogenheit auf Natur und Umwelt sensibilisiert und der die Tugend der Mäßigung neu mit Leben füllt. Beispielhaft stehen dafür die notwendigen Transformationsprozesse im Rheinischen Braunkohlerevier und das Engagement im Nationalpark Eifel.

Als gesellschaftliche Akteurin trägt die Kirche im Bistum Aachen politische Verantwortung, Herausforderungen dieser Zeiten und Irrwegen zu begegnen. Sie tritt selbst als handelnde Institution (1) und als Anwältin und Interessenvertreterin für die Umsetzung der Enzyklika Laudato si, der UN-Agenda 2030 und des Pariser Klimaabkommens ein.

Um dem Auftrag des Schöpfers, seine Schöpfung zu achten, zu nutzen und zu bewahren, gerecht zu werden, richtet sich die Kirche im Bistum Aachen an einer umweltbewussten und ressourcensensiblen Haltung aus, die das globale und generationenübergreifende Gemeinwohl zum Maßstab jedes Denkens und Handelns setzen.

Nachhaltigkeitsleitlinien und Handlungsfelder

Das Bistum Aachen gibt sich Leitlinien, die auf den bereits formulierten Handlungsempfehlungen der Deutschen Bischofskonferenz (2) fußen:

  • eigene Traditionen wiederentdecken und weiterentwickeln
  • Schöpfungsspiritualität in Verkündigung und Liturgie verorten
  • durch Bildung Menschen für Natur und Schöpfung sensibilisieren und zur Nachhaltigkeit befähigen
  • Schöpfungsverantwortung in Strukturen des Bistums etablieren
  • Innerkirchliche professionelle und interdisziplinäre Fachlichkeit zu Nachhaltigkeit ausbauen
  • Schöpfungsbewusstsein bei Haupt- und Ehrenamtlichen verankern
  • gesellschaftspolitische und internationale Verantwortung wahrnehmen sowie den Zusammenhang von sozialen und ökologischen Fragen analysieren sowie nachhaltig und gerecht gestalten
  • Mobilität umweltfreundlich gestalten
  • Kirchenland nachhaltig bewirtschaften
  • in kirchlichen Einrichtungen nachhaltig und fair wirtschaften sowie die Marktmacht der Kirchen für die sozial-ökologische Entwicklung nutzen.

Ausdrücklich stellt sich das Bistum Aachen der Herausforderung, bis spätestens zum Jahr 2040 das Gebäudemanagement nachhaltig und klimaneutral zu gestalten.

Nachhaltigkeit in Bistumsstrukturen verankern und Vernetzung stärken

Um gelingende Nachhaltigkeitsstrukturen zu etablieren, müssen alle Entscheidungen auf allen Ebenen die Nachhaltigkeit berücksichtigen.

Darüber hinaus sollen sich die Akteure auf allen Ebenen im Bistum Aachen mit passenden Partnern innerhalb und außerhalb des Bistums zum Erreichen von mehr Nachhaltigkeit vernetzen.

Dies umfasst insbesondere

  • die Etablierung von professioneller und interdisziplinärer Beratungskompetenz und Infrastruktur in der Bistumsverwaltung und in die Fläche des Bistums hinein durch eine entsprechende Organisationseinheit im Bischöflichen Generalvikariat,
  • die Einführung eines beteiligungsorientierten (3) Umweltmanagements mit regelmäßiger Überprüfung der Fortschritte, Anpassung der Strategie und öffentliche Rechenschaftslegung,
  • die Zahlung und die Bindung von Anteilen der Zuweisungen aus Kirchensteuermitteln an das Engagement für Nachhaltigkeit,
  • den Ausbau des intensiven, an vielen Orten bereits existierenden lokalen, regionalen, nationalen und internationalen konkreten und politischen Engagements für nachhaltige, klimagerechte und faire Entwicklung – vor Ort, mit Kolumbien und weltweit.
  • Die gezielte Vernetzung mit Partnern außerhalb des Bistums Aachen, die sich der nachhaltigen und fairen Entwicklung widmen.

Dieser vorläufige Beschluss zur Nachhaltigkeit wurde am 12.03.2022 im KonsenT beschlossen.

(1) PP. Franziskus, Enzyklika Laudato Si (Vatikan 2015)
(2) Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.): Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag – Handlungsempfehlungen zu
Ökologie und nachhaltiger Entwicklung für die deutschen (Erz-)Diözesen (Bonn 2018)
(3) Insbesondere die Räte müssen berücksichtigt werden.

Burchard Schlömer, Mitglied der Arbeitsgruppe

Burchard Schlömer

„Die doppelte Selbstverpflichtung, für die Nachhaltigkeit öffentlich einzutreten und selber konkret und überprüfbar nachhaltig zu handeln, ist die richtige Grundlage für ein größeres Engagement. Die Vernetzung der Ebenen und Akteure ist eine spannende Herausforderung und Voraussetzung, um diesem Engagement die nötige Schubkraft zu geben.“

Heribert Rychert, Mitglied des Synodalkreises

Heribert Rychert

„Die Kirche im Bistum Aachen hat im Bereich der Nachhaltigkeit eine besondere Verantwortung durch die Hotspots Nationalpark Eifel mit der Möglichkeit, Natur- und Schöpfung authentisch zu erfahren und dem rheinischen Braunkohlerevier mit den Aufgaben der Transformation. Der Beschluss kommt dieser Verantwortung nach und ist darüber hinaus ein starkes Mandat für ein nachhaltiges Bistum.“