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Für Farbenfrohe

Geschlechtersensible Haltung

Vorläufiger Beschluss des Synodalkreises im Rahmen des synodalen Gesprächs- und Veränderungsprozess „Heute bei dir“

„Du liebst alles, was ist.“ (Weish 11,24): In dieser biblischen und schöpfungstheologischen Annahme ist das Ziel eine Kirche, die auf allen ihren Ebenen den Identitäten der Menschen in Bezug auf ihr biologisches Geschlecht, ihr soziales Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung und ihrer Lebensformen als Abbild Gottes gerecht wird.

Dies geschieht in Erwartung der einschlägigen Ergebnisse des Synodalen Weges und im Diskurs mit den human- und naturwissenschaftlichen sowie den theologischen Erkenntnissen zu Fragen von Sexualität und Geschlecht.

„Jedes Ding ist vom andern verschieden, keines von ihnen hat er vergeblich gemacht“ (Sir 42,24) und alle Menschen haben das Recht, sich frei und offen zum eigenen Geschlecht, der sexuellen Identität, Orientierung und Lebensform zu bekennen.

„Nun geht der Mensch“ (Ps 104,23) und entfaltet sich. Daraus entsteht dem Menschen in der Kirche kein Nachteil, denn geschlechter- bzw. gendergerechtes Handeln ist in allen Bereichen kirchlichen Lebens selbstverständlich, so dass alle einmal „eins in Christus“ (vgl. Gal 3,28) sein können und Kirche ein Zeichen gegen Diskriminierung ist und weiter wird. Darin lernt die Kirche im Bistum Aachen, anwaltschaftlich für Menschen einzutreten. Sie respektiert, akzeptiert, wertschätzt die Menschen und nimmt sie in ihren Identitäten bedingungslos an.

  • Im Kontext der beschriebenen Haltung finden die Reflexion & Bearbeitung von Sprache & Kommunikation (gesprochenes Wort, Bild und Schrift), des pastoralen und liturgischen Handelns sowie der kirchlichen Strukturen statt.
  • Der Aufbau der beschriebenen Haltung wird explizit unterstützt durch Schulungs- und Qualifizierungsangebote in Aus-, Fort- und Weiterbildung in Haupt-, Neben- und Ehrenamt.
  • Eine Organisationseinheit wird eingerichtet, die aktuelle Strukturen überprüft und entsprechende Veränderungen im Sinne der beschriebenen Haltung anregt. Die Organisationseinheit schließt dabei umfassende Antidiskriminierungsarbeit ein, bezogen auf Alter, Geschlecht, Herkunft, Behinderung und Weiteres.
  • Der Bischof und die Weihbischöfe setzen sich auf Ebene der Dt. Bischofskonferenz für die Anerkennung und Veränderungen im Sinne dieser Haltung ein. Sie wirken darauf hin, dass mit der Dt. Bischofskonferenz auch Veränderungen auf weltkirchlicher Ebene passieren und berichten regelmäßig mindestens den verfassten Räten im Bistum.
  • Der Bischof und die weiteren Vertreter:innen des Bistums Aachen bringen diese Haltung in den Synodalen Weg ein.
  • Die Kirche im Bistum Aachen beteiligt sich aktiv in Auseinandersetzung mit den Zeichen und Bedürfnissen der Zeit weiter an dem weltweiten Ringen um die Zulassungsbedingungen zu den Weiheämtern der Kirche.
  • Der Zugang zu Diensten darf auf allen Ebenen der Kirche im Bistum Aachen nicht an Geschlecht, sexuelle Identität, Orientierung und Lebensform gebunden sein.
  • Das bedeutet auch, die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche weiter zu forcieren.
  • Die Gremien auf allen Ebenen des Bistums Aachen werden, soweit aktuelle sonstige Zugangsvoraussetzungen, wie z.B. die Weihe, das nicht verhindern, geschlechtergerecht gestaltet.
  • Bestehende und zu entwickelnde Leitungsmodelle werden geschlechtergerecht gestaltet.

Im Sinne der beschriebenen Haltung dürfen Geschlecht, sexuelle Identität, Orientierung und Lebensform vor allem für bestehende oder abzuschließende Arbeitsverträge, sowie bei der Vergabe der „Missio canonica“ und der Genehmigung der Lehrbeauftragung kein Nachteil sein.

Dieser vorläufige Beschluss zur Geschlechtersensiblen Haltung (BAG 5) wurde am 15. 01.2022 im KonsenT beschlossen.

Annika Fohn, Mitglied der Basis-AG

Annika Fohn

"Wir als Gesellschaft verändern uns und deshalb bin ich der tiefsten Überzeugung, dass sich auch Kirche nachhaltig verändern muss. Sie muss wieder näher an unsere Lebenswirklichkeit herankommen.

Deshalb habe ich mich in der BAG 5 "Geschlechtersensible Haltung und Gendergerechtigkeit" engagiert und in einem Team eine Roadmap mitentwickelt, damit geschlechter- bzw. gendergerechtes Handeln in allen Bereichen kirchlichen Lebens selbstverständlich wird.

Mir war die Verstetigung von Maßnahmen durch die Schaffung einer Organisationseinheit, die aktuelle Strukturen überprüft und entsprechende Veränderung im Sinne der beschriebenen Haltung anregt, ein besonders großes Anliegen."

Anna Dolić, Mitglied des Synodalkreises

Anna Dolić

„Gendergerechtigkeit ist ein gesamtgesellschaftliches Thema. Die Haltung, die die Kirche dazu einnimmt, wird langfristig für ihre Glaubwürdigkeit entscheidend sein.“ 

Warum das Thema wichtig ist

  • Viele Menschen können die kirchliche Lehre über Geschlechterbilder und die Konsequenzen daraus im kirchlichen Handeln nicht mehr akzeptieren.
  • Zudem bewegt sich Kirche in einem gesellschaftlichen Rahmen, der zunehmend einen anderen Umgang mit Geschlechterbildern voraussetzt.
  • Die Diskussion im „Synodalen Weg“ auf Deutschlandebene macht deutlich:
  • die Dringlichkeit eines kritischen Diskurses
  • die Erarbeitung von Lösungen auch im Bistum Aachen
  • die Notwendigkeit einer Verschränkung der Bestrebungen auf den unterschiedlichen Ebenen

Geschlechtergerechtigkeit für alle!

Für eine Kirche, in der alle Geschlechter gleich würdig und gleichberechtigt sind, muss sich viel verändern: Nicht nur weltkirchlich, auch hier im Bistum Aachen.Mit diesem Anspruch legt die Basis-AG 5 ihren Bericht vor. Ziel ist eine gendergerechte Kirche, in der alle Menschen das Recht haben, sich frei und offen zum eigenen Geschlecht, der sexuellen Identität, Orientierung und Lebensform zu bekennen, ohne dass ihnen dies zum Nachteil gereicht. Auf Dauer muss gendergerechtes Handeln in allen Bereichen kirchlichen Lebens selbstverständlich sein.In ihrem Bericht benennt die Basis-AG vor allem die Bereiche von Pastoral und Verwaltung, von Sprache, von Leitung und Vergabe von Aufgaben, von Beauftragungen und (Weihe-) Ämtern, sowie Kirchliche Lehre und Kirchliches Recht als reformbedürftig. Damit die Umsetzung und Etablierung einer solchen Kirche im Bistum Aachen zügig vorangetrieben werden kann, schlägt sie die Einrichtung einer Stabsstelle „Gender und Diversität“ vor.

BAG 5 Geschlechtergerechte Haltung und Gendergerechtigkeit
BAG 5 Ziel ist eine gendergerechte Kirche im Bistum Aachen

Die konkreten Ziele

Oberziel

Ziel ist eine gendergerechte Kirche im Bistum Aachen, in der alle Menschen das Recht haben, sich frei und offen zum eigenen Geschlecht, der sexuellen Identität, Orientierung und Lebensform zu bekennen; ihnen entstehen daraus keine Nachteile. Gendergerechtes Handeln ist in allen Bereichen kirchlichen Lebens selbstverständlich.

Ziel A

Die kirchlichen Strukturen sind bis 2026 so angepasst, dass sie eine genderge-rechte Kirche verwirklichen.

Ziel B

Die Kommunikation in Wort und Schrift ist bis Ende 2026 im Bistum Aachen auf allen Ebenen und in allen Bereichen flächendeckend so gestaltet, dass niemand diskriminiert oder ausgegrenzt wird.

Ziel C

Pastorales Handeln und Kirchliche Lehre (inklusive Kirchenrecht)dienen dem Ziel einer gendergerechten Kirche.