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GdG St. Franziskus übernimmt diakonische Verantwortung in Düren Nord.:„Eigentlich ist es schön hier. Aber es gibt auch ganz viel Kaputtes.“

Eine Bluse kostet einen Euro. Und eine Hose kostet zwei Euro in "Joachims Anziehpunkt" in Düren-Nord. „Nirgendwo ist es so günstig wie bei uns,“ freut sich Mitarbeiterin Eva, die seit vielen Jahren ehrenamtlich im Team der Initiative tätig ist. „Sehr viele sind dankbar. Deswegen mache ich das richtig gerne." Früher war sie selbst Kundin, bis sie angefragt wurde, ob sie sich eine Mitarbeit vorstellen könne.
'Joachims Anziehpunkt'  ist ein Angebot der GdG St. Franziskus im Pfarrheim neben der Joachimskirche.
Datum:
20. Sept. 2023
Joachims Anziehpunkt - Innenasicht

„Die Arbeit hier macht mir Spaß. Vergangene Woche ist zum Beispiel eine Frau in den Laden gekommen, die am Ende ihres Einkaufs einen Betrag von sieben Euro zahlen sollte. Sie fragte: `Wie viel?´ und ich antwortete: `Sieben Euro´, woraufhin die Kundin wiederum entgegnete: `Ach, Sie haben meinen Tag so glücklich gemacht!´

Der Anziehpunkt ist ein Angebot der GdG St. Franziskus im Pfarrheim neben der Joachimskirche. Dorothee Wakefield ist dort die zuständige Gemeindereferentin. „Mir ist es wichtig, dass wir als Kirche in Düren-Nord - einem Multikulti-Viertel mit den unterschiedlichsten Nationalitäten, Religionen und vielen weiteren Herausforderungen wie der Klinik des Landschaftsverbands Rheinland - aktiv sind", erzählt sie. Drogenkriminalität, eine große Müllthematik und viele Schrottimmobilien prägen das Bild. „Eigentlich ist es schön hier. Aber es gibt auch ganz viele Kaputtes“, beschreibt Dorothee Wakefield ihre Sicht auf Düren-Nord. Es brauche viel an gemeinsamen Überlegungen, damit Menschen sich im Stadtviertel zu Hause und sicher fühlen. Da sei es wichtig, möglichst viele Menschen mitzunehmen, sie miteinander in Kontakt zu bringen und sie dazu zu bewegen, etwas zur Besserung ihres Viertels beizutragen. Auch bei dieser Aufgabe will die GdG mit dem Anziehpunkt und weiteren Angeboten helfen.

„Wir sind gerade dabei, hier so etwas wie ein kleines, soziales Zentrum aufzubauen. Weil es wichtig ist, dass wir als Katholische Kirche hier am Ort präsent sind und die Menschen unterstützen“. Eine monatliche Lebensmittelausgabe ist neben dem Kleiderladen das zweite Standbein. Unterstützt wird Dorothee Wakefield auch hier von einer engagierten Ehrenamtlichen. „Eigentlich wäre ich ja froh, wenn man das alles nicht bräuchte. Wenn die Menschen sich selbst versorgen könnten. Das ist aber nicht die Realität“, berichtet Dorothee Wakefield von ihren Erfahrungen.

Mit finanzieller Unterstützung der Stadt Düren sind haltbare Lebensmittel eingekauft worden, die bis zum Ende des Jahres reichen. Auch die örtliche Edeka Filiale unterstützt die Lebensmittelausgabe durch Spenden und Rabatte. 75 bis 80 Kunden nehmen sie monatlich in Anspruch, die für 220 bis 230 Personen Waren aussuchen. Darunter sind Einzelkunden wie alleinstehende Rentnerinnen und Rentner mit geringem Einkommen, aber auch Geflüchtete, meist Mütter mit Kindern, aus der Ukraine und (Groß-) Familien aus Bulgarien oder Rumänien.

Sie alle kommen aus dem Sozialraum Düren-Nord bzw. Birkesdorf und besitzen einen Sozialhilfeausweis. „Wir mussten das leider eingrenzen, denn wir sind am Anfang ziemlich überrollt worden von Menschen, die auch von weiter weg kamen. Und wir haben gemerkt: das schaffen wir finanziell und personell nicht. Dann haben wir es schweren Herzens einschränken müssen.“

Mittlerweile gebe es einige Stammkunden, zu denen ein guter Kontakt bestehe. Seit zwei Monaten werde zudem parallel zur Lebensmittelausgabe ein kleines Café im Saal angeboten, das sehr gut angenommen werde. Eine Dürener Bäckerei stellt dafür den Kuchen zur Verfügung. "Es wird von denen genutzt, die Zeit haben und ein wenig klönen wollen. Oder die auf ein Gespräch mit der Gemeindesozialarbeiterin des regionalen Caritasverbandes warten. Hier könnte ich noch gut Menschen brauchen, die das Angebot unterstützen,“ berichtet Dorothee Wakefield. Eine Nähstube mit Nähkurs komplettiert zur Zeit das Angebot an St. Joachim.

Um die Lebensmittelausgabe und das Café in Düren-Nord weiter langfristig zu sichern, ist Dorothee Wakefield gemeinsam mit der Gemeindesozialarbeiterin der Caritas auf der Suche nach Sponsoren. Denn es braucht eine zuverlässige Planung. Mit weiteren diakonischen Playern aus Stadt und Viertel, der Bahnhofsmission, der Tafel oder den Rurtalwerkstätten, ist sie im Gespräch. Um gut vernetzt und gemeinsam viel für den Stadtteil zu bewirken.